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Ausbildung

Der E-Commerce sucht dringend Azubis

von - 04.12.2019
Plakatwand E-Commerce-Ausbildung von Otto
Foto: Daniela Zimmer
Der Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau im E-Commerce leidet noch unter Kinderkrankheiten. Nur in besonders darauf zugeschnittener Beschulung können die Inhalte konkret vermittelt werden.
Gehalt in der E-Commerce-Ausbildung im 3. Jahr
(Quelle: Ausbildung.de (August 2018) )
An der Sachlage gibt es nichts zu ­beschönigen: Dem Handel kommen die Fachkräfte abhanden. Im Rahmen ­einer Konjunktur­umfrage des Ifo-Instituts gaben im vergangenen Jahr 25,7 Prozent der Einzelhandelsunternehmen an, dass ihnen speziell ausgebildetes Personal fehlt. 2017 waren es erst 18 Prozent.
Ein Wunder ist das nicht. Wie jüngst ­eine Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigte, rangiert die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann oder zur Einzelhandelskauffrau im Ansehen der 25 am stärksten besetzten Ausbildungsberufe auf einem miserablen 20. Platz. Noch schlechter schneidet das Berufsbild des Verkäufers ab, das das Schlusslicht der Tabelle bildet. Selbst Köche und Bankkaufleute haben bei der deutschen Bevölkerung ein besseres Image.
Weil sich viele Betriebe Sorgen machen, wie sie Nachwuchskräfte gewinnen können, hatte die Branche im Juni unter dem Motto Jetztschonprofi.de eine digitale Azubi-Kampagne gestartet, die über die vielfältigen Ausbildungs- und Karrierechancen im Handel informiert. Und dennoch waren zum Start ins Ausbildungsjahr 2019/20 noch längst nicht alle verfügbaren Lehrstellen besetzt. Besonders dramatisch ist der Fachkräftemangel im digitalen Handel - aus mehreren Gründen: So gibt es generell zu wenig Digitalexperten auf dem Markt. Und die, die es gibt, picken sich gezielt die spannendsten Jobs heraus. Oder sie ­haben so hohe Gehaltsvorstellungen, dass ein mittelständischer Händler ohnehin gleich die Segel streicht. Den Unternehmen bleibt da nur eine Wahl: Sie müssen ihre Fachkräfte selbst ausbilden.

1284 Azubis im ersten Jahr

Auszubildende Kaufleute im E-Commerce
Glücksfall: Die beiden E-Commerce-Kauffrauen von Mycare kamen eher zufällig zu ihrem Ausbildungsvertrag. Sie kannten das Berufsbild vorher nicht.
(Quelle: Mycare)
Seit dem 1. August 2018 gibt es genau für diesen Zweck den neuen Ausbildungsberuf „Kaufmann/-kauffrau im E-Commerce“. Dieser soll dem Handel Nachwuchs mit digitalem Know-how zuspielen - und zwar passend zugeschnitten auf die eigenen Bedürfnisse. Denn das Aufgaben­gebiet eines E-Commerce-­Experten ist breit - und von einer Person allein kaum zu stemmen. So wird eine Online-Partnerbörse, die E-Commerce-Kaufleute ausbildet, in der Lehre andere Schwerpunkte ­setzen als ein E-Commerce-Kaufmann, der seine berufliche Laufbahn bei einem B2B-Unternehmen beginnt, das die Indus­trie mit Werkzeug versorgt.
Zum Launch des neuen Ausbildungsangebots entschieden sich 1284 Schulabsolventen für diesen Jobeinstieg - ohne genau zu wissen, was sie eigentlich erwartet. Denn nicht selten standen die Lehrinhalte noch gar nicht fest, als die Tinte unter den Vertrag gesetzt wurde. „Der Beruf ist besser gestartet als erwartet. Ich denke, dass er in den kommenden Jahren in die Top 20 der 326 dualen Ausbildungsberufe, die wir haben, eingeht“, freut sich Katharina Weinert. Die Abteilungsleiterin für Bildungspolitik und Berufsbildung beim Handelsverband Deutschland (HDE)hat die Einführung des „E-Com­merce-Kaufmanns“ zusammen mit der Gewerkschaft Verdi federführend begleitet. Und weil sie sich so engagiert, wird sie in der Branche liebevoll „Mutter des Berufs“ genannt. Stimmt ihre Prognose, würden künftig jedes Jahr zwischen 7000 und 27.000 neue Azubis ihre dreijährige Lehre zur
E-Commerce-Fachkraft antreten.
Oliver Gödde, geschäftsführender ­Gesell­schafter des B2B-Händlers für ­Qualitätswerkzeug Gödde, hat keinen Zweifel, dass der Beruf regen Zulauf erfahren wird: „Ich halte das für einen sehr spannenden Ausbildungsgang“, so Gödde. Er sei sehr zukunftsorientiert. Und wer diesen Berufsweg einschlage und halbwegs gut aufgestellt sei, brauche sich um seine ­berufliche Zukunft keine Sorgen zu ­machen. „Wenn man dann noch ein bisschen Englisch kann, steht einem die Welt offen“, betont er. Und tatsächlich ist es ein Fakt, dass eine Karriere im Handel nicht nur Hochschulabsolventen vorbehalten ist. Branchenstudien belegen, dass über 80 Prozent der Führungskräfte in der Branche zunächst eine Ausbildung ­absolviert haben. Und auch ein Gehaltsvergleich mit weiteren Handelsberufen zeigt: E-Commerce-Kaufleute sind anderen Vertretern der Handelszunft im besten Fall 900 Euro monatlich voraus.
Zu den ersten Auszubildenden, die sich überzeugen ließen, zählt Luca Klein. Nach dem Abitur heuerte er direkt bei dem Kölner Werkzeughändler Gödde an. Weil er seine Schulzeit für viel zu theoretisch hielt, wollte er im Anschluss lieber eine Ausbildung machen und den Berufsalltag kennenlernen. Das Profil des E-Commerce-Kaufmanns reizte ihn, weil er „generell ­interessant“ findet, dass alles digitaler wird. Und auch Luca Klein hat erkannt: „Das ist ein Beruf mit Zukunft.“
Gödde-Ausbildungsleiter Alexander Schmitz indes gefiel an seinem Bewerber, dass er „nebenbei ein Zocker“ ist und, „wie er im Gespräch seine Vorstellung kommuniziert hat, wie morgen verkauft wird“.
Von der jungen Generation erhofft sich der Industriekaufmann, der als Quereinsteiger im E-Business Fuß fasste, auch neue Impulse. „Wir müssen dem Kunden künftig verstärkt Prozesse verkaufen“, sagt er. „Dafür brauchen wir innovative Leute. Und wenn wir Herrn Klein eng begleiten, lernen wir im Idealfall genau wie der Aus­zubildende dazu.“
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